Richtungswechsel und Endspurt

Nachdem Corona uns 2020 mit voller Wucht "getroffen" hatte - Umsatzsteigerungen bis an die Schmerzgrenze - änderte ich im Herbst 2020 unsere Pläne für den Dreiseithof. "Werkhalle mit Sanitärtrakt" war die neue Priorität.

Eigentlich wollten wir zuerst auf unserem Hof wohnen und dann die Firma ansiedeln. Aber "FassadenGrün" platzte buchstäblich aus allen Nähten am bisherigen Standort in Leipzig-Connewitz. So konnte es nicht weitergehen! Deshalb sollte nunmehr die Firma den Hof zuerst besiedeln.

Im ersten Schritt haben wir dann im März 2021 den Pflanzenversand komplett von Connewitz nach Baalsdorf auf den Hof verlegt. Seitdem kommt dort in der Saison einmal täglich der gelbe DHL-Laster und holt den oder die Container mit den Pflanzen-Paketen. Auch die im Pflanzenversand tätigen Mitarbeiterinnen - 1 - 4 Frauen - sind nun täglich auf dem Hof. Das brachte viel Entspannung, aber auch Probleme. Zum Beispiel bei "Misch-Bestellungen", also wenn Kunden Pflanzen UND Edelstahl-Teile in einem Auftrag bestellen. Hier war rege Kommunikation und auch Logistik zwischen beiden Standorten gefragt! Natürlich wurde der Wunsch immer größer, irgendwann endlich ALLE Bestellungen von Baalsdorf aus abwickeln zu können.

Der eingangs geschilderte "Richtungswechsel" jedenfalls hatte Konsequenzen für den Bauablauf. Alle Arbeiten im künftigen Wohnhaus, also in dem sogenannten "Gutshaus" wurden eingestellt, nur die Sanierung der Fenster wurde fortgesetzt wie in einem anderen Blog-Artikel beschrieben. Aus Kostengründen mussten wir Prioritäten setzen! Statt im künftigen Wohnhaus wurde also ab 2021 nur noch im angrenzenden Pferdestall gebaut, und langsam kommt dort der Endspurt... Aber das war ein langer Weg mit immer neuen Verzögerungen, kein Terminplan hielt der Realität stand.

Dieser ehemalige Pferdestall (Haus 2) war 2014 baufällig und wurde in folgenden Etappen saniert:

2015: Not-Sicherung, Entfernung von Mauerresten eines alten Torflügels, äußere Sanierung dieser Nordost-Ecke, Montage von fünf neuen Zugankern aus Stahl, Teilabriß und Neuaufbau einer der drei preußischen Kappendecken, Notreparaturen an Dach und Dachtragwerk

2018: Abbruch und Verfüllung einer alten, großen Güllegrube mit Gewölbedecke unter dem Hofboden, die an den Pferdestall grenzte und früher die Jauche derdort unterbrachten Tiere aufnahm.

2019: Entkernung. Wir entschieden uns, ALLE Einbauten restlos zu entfernen. Das betraf Futtertröge für Jungbullen, Trinkbecken, Futter-Raufen, nachträglich eingebaute Trennwände, Aufhängungen für die Hausschlachtung und noch Einiges mehr. Nur zwei der eingemauerten Futtertröge aus Keramik zerbrachen nicht beim Abbruch, diese haben wir natürlich als Pflanzgefäße gerettet.

2019: Wieder stellten sich Teile der Gewölbedecke als einsturzgefährdet heraus, und wir mussten ca. 20 Quadratmeter abbrechen und neu mauern.

2019: Decken-Sanierung. Unser Zimmermann hatte alle Deckenbalken ÜBER den Kappen-Gewölben freigelegt und dann einen Plan gemacht, wo saniert werden muss. Es wurde viel Holz im Hof angeliefert und ich glaube, zwei Drittel aller Balkenköpfe wurden abgeschnitten und "angeschuht".

2019: Decken-Dämmung. Da zunächst keine Nutzung für den Dachboden absehbar war, haben wir die Decke über den Gewölben mit 20 cm Mineralwolle gedämmt. Auch die alte Dämmung, die aus Spreu bestand s. Fotos, haben wir einfach drinnen gelassen, glatt geharkt und unterhalb der Mineralwolle verwendet. Ein paar tote Mäuse werden da auch drin gewesen sein...

2019: Abbruch Fußboden. Wir haben ca. 25 Kubikmeter Material heraus geholt, also Pflastersteine nebst Unterbau, um möglichst sicher zu gehen, dass keine mit Nitrat belasteten Rückstände im Boden bleiben, als Salze über die Außenmauern nach oben steigen und dort zu "Ausblühungen" führen.

2019: Maurerarbeiten. Eigentlich sollten nur die Öffnungen für die neuen Holzfenster ein wenig angepasst werden. Es zeigte sich, dass fast alle Stürze zum Teil mehrfach gerissen waren. So mussten die alten, als "scheitrechte Bögen" gemauerten Stürze durch neue Ziegelstürze ersetzt und viele Kubikmeter Mauerwerk ausgetauscht werden. Zwei großformatige Fenster-Öffnungen aus DDR-Zeit wurden geschlossen und die Fenster dort auf die stalltypische, geringe Größe zurückgesetzt. Auch der frühere Durchbruch zum "Haus 1" wurde brandschutzgerecht geschlossen.

2020: Fußboden-Dämmung. Hier entschied ich mich für 20 cm Schaumglas-Schotter, der zugleich eine "kapillarbrechende Schicht" bildet. Ohne jegliche Sperrfolie, das war mir wichtig. Wenn später oben ein Eimer Wasser verschüttet wird, läuft er durch bis zum Erdmittelpunkt...

2021: Innenputz. Für die tiefen Fugen nahmen wir einen Zementputz, auf diesen folgte ein Kalkputz, der leider Spannungsrisse zeigte. Deshalb wurde noch eine ca. 2 mm dicke Schicht Kalkglätte aufgetragen, ohne weiteren Farbauftrag. Einige Stellen wie Fensterlaibungen wurden mit Sumpfkalk gestrichen. Elektrik wurde Unterputz verlegt.

2021: Einbau neuer Holzfenster mit Isolierglas. Wir hatten uns bewusst für Fensterformate entschieden, welche die alten Stallfenster imitieren. Es war mir wichtig, diesen Stall-Charakter zu erhalten, auch wenn wir dann auf mehr Tageslicht verzichten müssen und Kunstlicht brauchen. Aber ich wollte keine Gründerzeit-Fenster, noch dazu mit imitierten Sprossen, wie ich es z. B. neulich auf Schloss Mutzschen im dortigen Cafe gesehen hatte. Wir machen ja auch kein Cafe im Stall, sondern wollen dort produzieren, picken und packen.

2021: Fußboden, Trockenbau, Fliesen, Elektrik, Malern und Installation im benachbarten Sanitärbereich

2021: Fußboden. Auf die Schaumglas-Dämmung kommt Steinsand, in den dann "Wittmunder Pflasterklinker" verlegt werden. Wenn das geschafft ist, kommt die Gas-Heizung und dann die Möblierung mit Regalen usw.!

 

 

 

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90 qm hat unsere kleine Werkhalle in der Brandiser Straße 69

Frühjahr 2020: Die täglichen Paket-Massen beim Pflanzenversand in der Leopoldstraße 12

2014: Der Pferdestall in der Brandiser Straße zum Zeitpunkt der Übernahme des Hofes

Pferdestall 2015: Teil-Abbruch und Neu-Aufbau einer Kappen-Decke

2019: Entkernung des Pferdestalles

Herbst 2019: Balken-Sanierung und Dämmung über dem Pferdestall

Herbst 2019: "Angeschuhte" Balken über den Gewölbedecken

Anfang 2020: Rostschutz-Anstrich

Winter 2020: Ausbau des Fußbodens

Winter 2020: Maurer-Arbeiten

Sommer 2021: Das erste Mal "Paketkarten schreiben" in der neuen Werkhalle