Spur der Spaliere

Erstellt von Sven Taraba | |   Rankhilfen

Noch vor 150 Jahren war es selbstverständlich, ein Spalier zu haben, zumindest in milden Klimalagen. Eine Spurensuche in Leipzig-Connewitz...

 

Dieses Haus ist also gerettet, und auch das alte Weinspalier wurde neu angebracht! Ca. 1995 sah es so aus wie auf dem Foto recht, und durch eine Anzeige von ReLa-Immobilien waren wir als junge Familie darauf gestoßen. Eines Tages fuhr ich mit meinem Sohn hin, und gemeinsam untersuchten wir das Haus. Es stand offen, und so gingen wir hinein und begutachteten alle Räume, so wie ich es im Leipzig der DDR-Zeit in unzähligen "Abrisshäusern" gemacht hatte. Aber diesmal ging es nicht darum, zurück gelassenen Gegenstände zu finden, sondern eine mögliche Eignung als Familiendomizil zu prüfen. Ein eigenes Haus mit Garten... Der Preis von 35.000 Mark für ca. 350 qm Grundstück nebst Ruine schien verlockend. Aber schon nach wenigen Schritten im Innern war zumindest mir klar, dass das nichts wird, die Raumhöhe lag bei gefühlten 1,90 m. Zimmer im landläufigen Sinn schien es gar nicht zu geben, stattdessen eine Menge winziger Kammern.

Wir berichteten zuhause und waren alle etwas traurig, aber einige Monate später fanden wir dann mit zwei anderen Familien unseren derzeitigen Wohnsitz in der nahe gelegenen Leopoldstraße. Während der dortigen Sanierung kamen wir ab und zu auch mit dem fürs Gebiet zuständigen Denkmalpfleger Herrn Henning Wetzel in Kontakt und erfuhren, dass er geradezu verzweifelt Liebhaber für seine Sorgenkinder suchte, zu denen auch die "Roßmäßler 2" gehörte. Es ging schlichtweg darum, Gebäude vorm Einsturz zu retten. Und tatsächlich gelang ihm das: Ein pensionierte Hochschullehrer der Burg Giebichenstein / Halle kaufte das Objekt und sanierte es über 10 Jahre hinweg mit seiner Hände Arbeit, inzwischen bewohnt seine Tochter, eine Lehrerin, das Häuschen.

Die Spaliere wurden neu angebracht und mit Wein bepflanzt. Eine kleine Kritik darf ich äußern als "Experte": Die Latten-Querschnitte hätten etwas schmaler und graziler sein können, 25 statt 30 mm vielleicht. Auch etwas mehr Latten-Überstand hätte dem historischen Erscheinungsbild gut getan.

Jedenfalls ist dies wohl nun das letzte Spalier in Connewitz, obwohl alte Ortsansichten mit Rankgittern übersät sind. Einige Relikte konnte ich ca. 2002 noch vorm Abriß dokumentieren, wie die Fotos rechts zeigen.

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Gartenhaus
Der Giebel des sanierten Gartenhauses
Haus Roßmäßlerstraße 2
Roßmäßlerstraße 2, Zustand ca. 1995
Spalier in Leipzig-Mockau
Weinspalier in Leipzig auf einer historischen Ansicht (Apitzschgut in Mockau)
Haus Biedermannstraße 60
Tagelöhnerhaus Biedermannstraße 60 mit Spalier, kurz vor dem Abriss ca. 2005
Haus in der Bornaischen Straße
Haus in der Bornaischen Straße (Hausnummer ca. 10) mit Spalier, beim Abriss