Rosen - Neubewertung

Ähnlich wie bei den Blauregen hatte ich auch das Thema "Kletterrosen" gemieden und bin im Ungefähren geblieben, hatte kaum Empfehlungen gegeben und - nach einem kurzen Intermezzo im Jahr 2004 - auch nicht selbst Rosen verkauft. Aber die Gründe waren verschieden! Bei den Blauregen war es die Sorge vor Bauschäden, bei den Rosen eher die Angst, die weit auseinander liegenden Wünsche der Kunden auch nur annähernd mit einer eigenen Auswahl, einem kleinen Sortiment befriedigen zu können. Denn aufgrund unserer begrenzten Standflächen und der zunehmend komplizierteren Logistik bei vielen Lieferanten war klar, dass ein eigenes Sortiment nur sehr klein hätte sein können, kaum mehr als vielleicht zehn Rosensorten.

Mit so wenig Sorten hätte ich niemals die vielen Wünsche, die ich kannte, abdecken können. Beginnend bei der Blütenfarbe, dann "wilde" Rosen, "edle" Rosen, welche mit offener Blüte wegen der Insekten, mit gefüllten, romantischen "Wuschel"-Blüten, mit großen oder vielen kleinen Blüten, mit Duft, dauerblühend, öfterblühend oder nur einmal blühend und dafür mit Hagebutten wegen der Vögel, 2 m oder 10 m hoch wachsend und und und, zum Beispiel noch Rosen mit schönem Namen zum Verschenken...

Durch wiederholte Beobachtung einer mir sehr nah stehenden Person wusste ich, wie impulsiv und irrational Rosenkäufe laufen! Mir war klar, dass ich mit Überzeugungsarbeit, mit systematischen Sortenbeschreibungen usw. dagegen kaum punkten konnte. So dachte ich, ich schreib` halt allgemein was zu "Wandrosen", und dann soll doch bitte jeder seine Rose woanders kaufen und damit selig werden.

Und es gab einen zweiten Grund, sich zurückzuhalten: Ein REPRODUZIERBARER Erfolg mit Wandrosen schien ausgeschlosen. Einerseits sah ich viel schlechte Beispiele und hatte das unter "Wandrosen" 2017 auch schon beschrieben. Anderserseits, wie zum Hohn, sah ich schönste Rosenwände, und das Verwirrendste: Zum Teil waren es dieselben Sorten wie beispielseise der Klassiker 'New Dawn', die mal als Aschenputtel und mal als Prinzessin auftraten. War es der "grüne Daumen" der jeweiligen Hausbesitzer, die Wasserversorgung, der Boden oder die Menge der Sonnenstrahlung? Wahrscheinlich ein wie auch immer gearteter Mix aus allem. Kurz und gut: Ich konnte kaum eine bestimmte Sorte empfehlen (und verkaufen), wenn das Risiko solcher Mißerfolge und Reklamationen bestand.

Das Thema "Rosen" erfasste mich neu, als unsere Schauwand und unser Teich angelegt wurden. Was für Pflanzen wollte ich denn zeigen? Wir hatten an den Wänden des großen Hofes ja schon experimentiert: Mit Mandevilla und Clematis. Bei letzteren überzeugten nur sehr wenige Sorten, und Mandevilla allein waren langweilig, ein bißchen wie Plasteblumen, obwohl blühstark und pflegeleicht hoch drei. Wie wäre es da mit Rosen? Eine lange Blühzeit mit sehr unterschiedlichen Farben schien jedenfalls garantiert. Ich begann den Versuch, kaufte verschiedenste Sorten und belebte den Gedanken, vielleicht doch noch ein eigenes Rosen-Sortiment schaffen zu können. Nach dem Motto: "Was sich bei uns bewährt, können wir auch guten Gewissens verkaufen".

Bewährt hat sich bei uns 'Laguna', zumindest an einem Zaun. Die Rose hat bemerkenswerten Duft, wenngleich ihre Blüten nicht allzu regenfest sind. Ich durfte 2007 in Dresden-Pillnitz dabei sein, als diese Sorte im Rahmen des "Rosentages" das begehrte ADR-Siegel bekam, und habe von daher eine besondere Beziehung zu 'Laguna'.

Dann war ich 2023 im Rosarium Sangerhausen, fünf Mal. Ich sah viel Traurigkeit, aber auch einige Perlen, z. B. 'Open Arms' siehe Foto rechts. Sie hatte jedes Mal Blüten, wenn auch nicht extrem üppig und auf dem zierlichen Laub waren auch kleine Flecken von dunklem Rosenrost. Na gut, immerhin kein Mehltau, den sah ich dafür zuhauf an anderen Sorten. Mehltau an Rosen sieht nicht nur schlimm aus, sein Geruch kann Rosenfreunde regelrecht abtörnen. Seit vielen Jahren war mir klar: Wandrosen, die aus der Nähe betrachtet und "berochen" werden, dürfen keinen Mehltau haben! Ein bißchen Sternrußtau oder Rosenrost hingegen war ich bereit zu tolerieren.

Auch "Heidetraum Plus" war eine Entdeckung, wenngleich sie in Sangerhausen unter einem Hitzeschock im Juni litt und während der mehrwöchigen Erholung kaum Blüten zeigte. Doch im Spätsommer sah sie wieder passabel aus. Absolut mehltaufrei übrigens, zu jedem meiner Besuche.

'Eden Rose 85' bzw. 'Pierre de Ronsard' (französischer Name) war ein Zufallstreffer: Eine meiner beiden Gärtnerinnen hatte den Auftrag, eine Rose für einen Kübel zu kaufen, in welchem ich ein Rankgerüst präsentieren wollte. Sie griff irgendwo zu und kaufte 'Eden Rose 85'. Wir fanden sie ganz nett, nur der anderen Gärtnerin gefiel sie nicht, weil irgendwie "erotisch" im Aussehen. Erst Wochen später merkte ich, was die Sorte noch für Qualitäten hatte: Sehr gesundes Laub, lange Standzeit der Einzelblüte und eine hohe Regenfestigkeit. Deshalb kam sie schließlich in mein Sortiment!

Es gab auch Kletterrosen, die bei mir durchfielen, zum Teil trotz ADR-Siegel. Eine glanzvolle, rosa gesprenkelte Schönheit s. Foto war nicht in der Lage, ihre Blüten länger als 1 - 2 Tage zu halten, bevor alles herunterfiel. Das war zu wenig. Und auch die Nachblüte im Spätsommer war erbärmlich oder fiel ganz aus. Ich hatte große Hoffnung auf diese Sorte gesetzt und schon mehrere Exemplare für den Ab-Hof-Verkauf bestellt, die habe ich dann alle verschenkt.

Eine andere Kletterose wiederum sollte hitzefest und wandtauglich sein. Ja, war sie auch, aber zu Rosen gehören nun mal Blätter, und ihre waren zu krankheitsanfällig. Selbst in Sangerhausen an einem Obelisk, also nicht an einer heißen Wand, zeigte sie im Spätsommer nur noch Blüten ohne nennenswertes Blattwerk. Auch hier habe ich viele Exemplare verschenkt und die Sorte "ausgelistet"...

Soweit ein Einblick in unsere Pflanzen-Auswahl!

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Duftende Kletterrose 'Laguna' an einer Fassade

Kletterrose 'Open Arms'

Rose 'Open Arms': Blätter mit Rosenrost oder einer ähnlichen Krankheit

Kletterrose 'Heidetraum PLus'

Kletterrose 'Eden 85'

Leider durchgefallen: Prächtige Kletterrose mit gesprenkelten Blüten

Rosarium Sangerhausen: Kletterrose mit Blattverlust schon im Spätsommer