Rankhilfen am Gartenhaus

Erstellt von Sven Taraba | |   Gartenkunst

Genauer gesagt, an Goethes Gartenhaus in Weimar. Fassadenbegrünung war dem Meister wichtig, wie die Historie bezeugt!

 

Um 1635 war es wohl ein Weinberghaus, aber der Weinbau am Fluss Ilm in Thüringen brachte nicht den gewünschten Erfolg, und so verkamen die Anlagen. Als Johann Wolfgang von Goethe das Haus 1776 erwarb, war es baufällig, und er begann unverzüglich mit dem Umbau zu einem Gartenhaus. Das hieß, dass Goethe unzählige Stunden als Bauleiter für verschiedene Gewerke verbrachte. Am Hofe war er inzwischen "Geheimrat" und verfügte über das nötige Kleingeld, um eine solche Sanierung zu stemmen.

Fassadenbegrünung gehörte selbstverständlich zum Konzept. Goethe ließ an allen vier Hausseiten Spaliere bauen, wie umfangreiche Lieferungen von Holzlatten und Spaliernägeln bezeugen. Die Rankhilfen der West- und Nordseite erhielten Rosen (Rosa turbinata), die Ostseite Geißblatt (vermutlich Lonicera caprifolium), die Südseite Weinreben (Vitis vinifera).

Bis 1782 wohnte und arbeitete Goethe in dem Haus, danach lebte er in der Innenstadt Weimars mit seiner Familie in einem geräumigen Anwesen am Frauenplan. Das Gartenhaus nutzte er jedoch weiter als Rückzugsort, z. B. für seine Forschungen. Nach seinem Tod 1832 verwilderten die Pflanzungen, irgendwann jedoch wurden die Spaliere rekonstruiert bzw. nach historischen Zeichnungen neu angebracht. Es sind Rankgitter einer Sonderform, mit waagerechter statt senkrechter Lattung, eine Bauweise, die für Thüringen wohl nicht untypisch war. Heute ist das Haus nebst Garten als Museum eingerichtet und wurde zur Pilgerstätte für Goethe-Verehrer.

Als Kuriosum wurde 1999 nach historischem Vorbild ein zweites, baugleiches Gartenhaus im nicht weit entfernten Bad Sulza gebaut und 2002 eröffnet. Es wird vor allem als Veranstaltungsort genutzt. Die Rankhilfen sind die gleichen, das Begrünungskonzept dort ist allerdings etwas anders, z. B. wurde Immergrünes Geißblatt verwendet, eine Pflanze, die zu Goethes Zeiten nicht gebräuchlich war ...

Quelle: "Goethes Gärten in Weimar", Ahrendt / Aepfler, Leipzig 1994

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Goethes Gartenhaus
Goethes Gartenhaus (Nordseite) auf einer historischen Fotografie, ca. 1900
Goethes Gartenhaus
Goethes Gartenhaus, eingebettet in den Park am Flüßchen Ilm
Weinspalier
Das hölzerne Weinspalier auf der Südseite
Gartenhaus mit Rankgitter
Kopie von Goethes Gartenhaus mit Rankgittern, gebaut 1999 in Bad Sulza / Thüringen