Mein liebstes Spalier

Erstellt von Sven Taraba | |   Rankhilfen

Anfangs bin ich nur vorbeigefahren, aber irgendwann musste ich es „in echt“ sehen und habe einen Ausflug gemacht.

 

Um das Jahr 2005 geschah es: Ich hatte mich in ein Holzspalier verliebt, und in das zugehörige Bauernhaus gleich mit. Mehrfach war ich mit 100 km/h daran vorbeigefahren, hatte es aus dem Fenster erblickt und stets gedacht: Dieses Spalier wäre ein Rendezvous wert!

Das Gebäude stand an der Bahnstrecke Leipzig-Erfurt, irgendwo im Niemandsland, wie es schien, denn der ICE braust dort nur so vorbei, ohne dass ein Bahnhof zu sehen ist. Trotzdem war es mir beim „Aus dem Fenster-Schauen“ ins Auge gefallen, es sah sehr harmonisch aus. Später fuhr ich mit langsameren Zügen, und da bekam ich heraus, dass das Spalier zwischen Bad Sulza und Appolda lag. Und immer, wenn ich die Strecke nun fuhr, so 2 – 3 mal pro Jahr, wartete ich drauf, dass es irgendwann erscheinen müsste. Manchmal entging es mir, aber mehrfach sah ich es und spürte Sehnsucht. Vielleicht zog es mich magisch an, weil es schier unerreichbar schien? Im März 2008 erwischte ich es dann per Fotoapparat s. oben, stieg an der nächsten Haltestelle nebst Fahrrad aus und fuhr entlang der Strecke zurück. Im Örtchen Obertrebra entdeckte ich es dann. Es gab ein nettes Gespräch mit der Bewohnerin, die aus dem Fenster schaute und vom Weinstock am Spalier erzählte. Da sie auf fremde Hilfe angewiesen war, wurde der Weinstock klein gehalten und konnte nicht wie früher das ganze Spalier bedecken.

Im Oktober 2010 gab es ein nächstes Treffen zwischen mir und dem Bauernhaus. Es war schönes Wetter, ich hatte die Fahrradtour wiederholt in der Hoffnung, diesmal noch etwas Grün am geliebten Spalier zu sehen. Die Trauben waren ab, doch gelbes Herbstlaub begrüßte mich.

In den Jahren drauf habe ich das Spalier ein bißchen aus den Augen verloren. Ca. 2015 sah ich es wieder einmal aus dem Zug, aber oh Schreck: Ohne Weinstock. Womöglich wurde er gerodet, weil Eigentümerwechsel und Sanierung anstanden. Der ICE fährt inzwischen noch schneller, jedoch auf einer Neubaustrecke nach Erfurt, also nicht mehr an der historischen Rankhilfe vorbei. Aber vielleicht werde ich im Regionalexpress wieder mal die alte Strecke fahren. Dann halt`ich die Augen offen, wenn ich vorbeikomme, und werde berichten…

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Historisches Wandspalier
Altes Wandspalier mit Weinrebe im Spätwinter, Obertrebra / Thüringen
Historische Rankhilfe
Ansicht des gesamten Bauernhauses nebst historischer Rankhilfe
Historisches Weinspalier
Das Weinspalier im Herbst