Glyzinien am Rathaus Riesa

Nachhaltigkeit pur: Eine der größten Fassadenbegrünungen, und fast 150 Jahre alt! Doch eigentlich dürfte sie gar nicht existieren...

"Denkmalpflege" ist im Idealfall wohl so gemeint, dass ein Denkmal beständig gepflegt und den sich ändernden Nutzungen angepasst, also auch umgebaut und verändert wird. Ja, es gab extrem viele Fehler und Verluste in den Jahrzehnten nach dem Krieg, aber brauchen wir infolge dessen eine "Konservierende Denkmalpflege", die Denkmale nur einbalsamieren und jegliche Kreativität an und mit ihnen verhindern will?

Mit diesem Ansatz jedenfalls, hätte es ihn schon um 1870 gegeben, hätte das Rathaus in Riesa / Sachsen niemals begrünt werden dürfen. Es gab ja kein historisches Vorbild, was diese Begrünung gerechtfertigt hätte! Und sie neu anzulegen, wäre nach heutiger Sichtweise völlig unmöglich, weil damit ja "der Blick auf das Denkmal verstellt" worden wäre.

Offenbar waren die Regeln damals lockerer, und so kam es irgendwann zwischen 1870 und 1890 zur Bepflanzung der Fassade mit Blauregen (Glyzinien). Als Rankgerüst wurde ein Holzspalier gewählt, in der üblichen, eher grazilen Anordnung mit dichten lattenabstaänden, so wie für Weinspaliere in der Region üblich. Das ging vermutlich 80 - 100 Jahre gut, aber dann wurde um 1990 das Spoalier erneuert und eine deutlich kräftigere Anordnung gewählt, zunächst nur bis zur Oberkante der 1. Etage. Später wurde es nochmals aufgestockt, so dass jetzt die ursprüngliche Höhe der Begrünung wieder erreicht wurde.

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Ca. 1870, noch ohne Begrünung

Ca. 1895, teilweise begrünt

Ca. 1910, vollständig begrünt

Ca. 1935 - mit grazilem Holzspalier

Ca. 1970, Quelle: Verlag Bild und Heimat, Reichenbach / Vogtland

Ca. 1990, Quelle: Ansichtskarte von Foto Schröter / Riesa

Im Winter 2011

Im Sommer 2011